Hohe Gebühren am Geldautomat sind für Volksbanken und Raiffeisenbanken kein Thema. Selbstbewusst machten sie in der Pressekonferenz auf ihre fast 19.000 Geldautomaten aufmerksam, die Kunden kostenlos nutzen können.
Zuwächse auf beiden Seiten der Bilanz, ein lebhaftes Dienstleistungsgeschäft, ein gesteigertes Jahresergebnis und 2.275 neue Mitglieder – die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Eifelkreis Bitburg-Prüm haben allen Grund, mit ihrem Geschäftsjahr 2010 zufrieden zu sein. Und sind die vier genossenschaftlichen Institute nach den Worten von Bankensprecher Rainer Berlingen (Volksbank Eifel Mitte eG) auch. Sein Resümee beim Jahrespressegespräch in der Raiffeisenbank Westeifel in Arzfeld lautete: „Für uns geht ein erfolgreiches Geschäftsjahr zu Ende. Das auf Sicherheit, Vertrauen, Nachhaltigkeit und persönlichem Kontakt zu Mitgliedern und Kunden basierende ,Geschäftsmodell Genossenschaftsbank hat im Wettbewerb unter den Finanzdienstleistern weiter gepunktet.“
Über die positiven Nachrichten aus den Häusern der Volksbank Bitburg, der Volksbank Eifel Mitte, der Raiffeisenbank Westeifel und der Raiffeisenbank Irrel dürfen sich auch die Kommunen im Geschäftsgebiet freuen. Sie können in diesem Jahr mit Gewerbesteuern von 1,6 Millionen Euro rechnen, die Körperschaftssteuern werden noch höher ausfallen. Ebenso sollen die über 43.300 Mitglieder ihren Anteil am Erfolg der Banken erhalten. Vorstände und Aufsichtsräte wollen den Beschluss fassenden Versammlungen vorschlagen, Dividendezahlung in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro auszuschütten. Gleichzeitig können die Banken ihr Eigenkapital stärken. „Hier werden wir annähernd 100 Millionen Euro erreichen“, sagte Berlingen: „Ein hohes Eigenkapital unterscheidet uns von einigen anderen in der Finanzbranche. Damit erfüllen wir jetzt schon die neuen Basel III-Anforderungen.“
Als Zeichen für das anhaltende Vertrauen der Anleger in das Geschäftsmodell „Genossenschaftsbank“ wertet der Bankensprecher den weiteren Anstieg bei den Kundeneinlagen. Um rund 51 Millionen Euro lagen die Guthaben auf Giro-, Spar- und Festgeldkonten über dem Vorjahreswert. Insgesamt summierten sich die Einlagen zum Stichtag 31. Dezember 2010 auf 1,619 Milliarden Euro. Vor allem kurzfristige Anlageprodukte wurden nachgefragt.
Während die Kundeneinlagen um 4,3 Prozent stiegen, erhöhten sich die Ausleihungen im gleichen Zeitraum um 4,93 Prozent auf 1,060 Milliarden Euro. Gut die Hälfte des aktuellen Kreditvolumens entfällt auf die gewerbliche Wirtschaft, die in 2010 deutlich mehr langfristige Investitionsdarlehen anforderte. Unter den Investitionsmotiven rangieren bei Privatleuten und Betrieben nach wie vor Öko-Projekte ganz vorn.
Einen ausgesprochenen Boom registrierten die Finanzierungsexperten der Banken bei zinsgünstigen Darlehen der öffentlichen Hand. Für die Finanzierung von Windrädern, Photovoltaik- oder Biogasanlagen, für die Sanierung von Wohneigentum, für mittelständische Projekte und Maßnahmen der heimischen Landwirtschaft vermittelten die Volksbanken und Raiffeisenbanken für 684 Projekte 69 Millionen Euro öffentliche Fördergelder.
Die lebhaften Kundengeschäfte führten auch zu einem weiteren Anstieg der addierten Bilanzsumme auf 1,6 Milliarden Euro – 5,47 Prozent mehr als vor Jahresfrist.
Deutlich gestiegen ist auch die Anzahl der Mitarbeiter. Für die Institute waren am Stichtag 31. Dezember 562 (Vorjahr: 495) Frauen und Männer tätig. Darunter befanden sich 39 (Vorjahr: 35) noch in der Ausbildung. Nach wie vor engmaschig geknüpft ist auch das Bankstellennetz: Für ihre Mitglieder und Kunden sind die Banken an 55 Stellen erreichbar. „Wir engagieren uns mit professioneller Bankdienstleistung, die flächendeckend nahe am Kunden bereitgestellt wird“, resümierte Berlingen: „Aber auch durch Förderung der regionalen Wirtschaft, als Steuerzahler, Investor und Arbeitgeber, als Mäzen und Förderer im gesellschaftlichen Leben.“
Erneut haben die Genossenschaftsbanken mit 337.000 Euro die heimischen Vereine und ehrenamtlich Aktiven in den Bereichen Jugend, Kultur und Soziales unterstützt. Zum Beispiel: Rheinland-Pfalz-Tag in Prüm, Jazzinitiative Eifel, Mozartwochen Eifel, Sommer Heck-Meck, Integrationsprojekt Kalender mit den Westeifel Werken oder Medienprojekte KLASSE und Mini-KLASSE. Noch in diesem Monat werden die Banken ein neues Förderprojekt „toolDu.de“ vorstellen, das jungen Leuten einfacher eine Ausbildung im Handwerk vermitteln kann.
Genossenschaftsbanken wollen nicht für Fehler anderer büßen
Die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Eifelkreis Bitburg-Prüm sind zur Zeit gar nicht gut auf die Politik und ihre Bankenabgabe zu sprechen. Die Genossenschaftsbanken sollen Geld in einen Fond einzahlen, aus dem international agierende, so genannte systemrelevante Banken im Falle einer Schieflage gestützt werden können. „Ebenso gut könnte man von Fahrradfahrern eine Abgabe zur Erhaltung von Autobahnen verlangen“, brachte Rainer Berlingen, Sprecher der Banken im Kreis, die Sache beim Jahrespressegespräch auf den Punkt.
Ihn unterstützte der Vorstand Andreas Theis von der Volksbank Bitburg: „Die Volksbank oder Raiffeisenbank vor Ort wird in Haftung genommen für die Aktivitäten einer großen Investmentbank, die eben nicht ihre Mitglieder sondern den Aktionärswert im Auge hat.“ Das würde eine Absicherungsmentalität erzeugen, die eindeutig zu Lasten der Banken gehen, die sich in der Krise als abfedernd erwiesen haben.
Die Volksbanken und Raiffeisenbanken – soviel steht für die Banker fest – werden selbst nie Hilfsmittel aus dem Fond empfangen. Die Genossenschaftsbanken verfügen über ein eigenes System zur Institutssicherung, das auf dem genossenschaftlichen Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ basiere. Die Annahme von Fremdmitteln sei daher bislang nicht nötig gewesen.
Theis bezweifelte, ob die Bankenabgabe wirksam sei: „Aus unserer Sicht würde sie genau das Gegenteil dessen bewirken, was die Politik anstrebt. Statt einem überhöhten Risikoappetit den Riegel vorzuschieben, schwächt sie die Eigenverantwortlichkeit von Banken und verleitet sogar zu einem höheren Risiko.“